Auf meinem Brillenglas löst sich die Entspiegelung

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Wie im Artikel „Wie minimiert eine Entspiegelung die Reflexe auf dem Brillenglas“ angekündigt, möchten wir heute auf die Problematik „Auf meinem Brillenglas löst sich die Entspiegelung“ eingehen.

Um die Reflexe für eine spezielle Lichtfarbe, genauer gesagt einer Wellenlänge, zu eliminieren, müssen zwei Bedingungen gegeben sein: eine bezieht sich auf die Brechkraft der Entspiegelungsschicht, die zweite auf die Dicke dieser Schicht.

Um die Thematik der Schichtablösung besser verständlich zu machen, geht es uns heute mehr um die Dicke dieser Schicht.
Um eine völlige Auslöschung für eine Wellenlänge zu erhalten, muss die Schicht der einzelnen Entspiegelung ¼ der Wellenlänge dick sein.

Möchten wir zum Beispiel die Reflexe des Grünanteils des Lichtes (Wellenlänge: 550nm) minimieren, so muss die Entspiegelungsschicht hierfür ¼ von 550nm dick sein. Die Superentspiegelung besteht, je nach Hersteller, aus ca. 6 Schichten.

Grob können wir also feststellen, dass auf einem Brillenglas 6 Schichten, mit einer Dicke von jeweils ca. 150nm (Nanometer) aufgetragen werden.

Um die Größenverhältnisse etwas besser verständlich zu machen:
Ein Haar eines durchschnittlichen Europäers ist laut meiner Recherche im Internet 0,07mm dick. Umgerechnet in Nanometer, hat dieses Haar eine Dicke von 70.000 Nanometer.
Unsere Entspiegelungsschicht ist also 0.00015mm dick.
Wenn wir nun bedenken, dass im Schnitt die Brillengläser 1mal täglich gereinigt werden, so müssen diese 0,00015mm dicke Schichten, in 3 Jahren über 1.000mal den Druck des Brillenputztuches aushalten.

Ganz zu schweigen von den nicht mechanischen Belastungen, wie der Dehnung und dem Schrumpfen bei wechselnden Temperaturverhältnissen, oder der Belastung des recht aggressiven Körperschweißes.

Wenn man sich dies alles vor Augen hält, ist es meiner Meinung nach sehr erstaunlich, dass diese Schichten in der Regel 3-4 Jahre auf dem Brillenglas halten. Dies ist meist auch der Zeitrahmen in dem die Sehstärke sich leicht verändert und eine neue Brille gekauft wird.

Noch erstaunlicher, die Glashersteller geben volle 2 Jahre Garantie auf diese Schichten. Eine Voll-Garantie auf die Hälfte der Durchschnittlichen Lebensdauer, finden wir bei anderen Produkten leider sehr selten. Wenn ich da an meinen Notebook-Akku (halbes Jahr Garantie), einen Neuwagen (~3 Jahre Garantie / ca. 15 Jahre Lebensdauer), oder so vieles Andere denke.

Trotz all dem arbeiten die Glashersteller an unterschiedlichen Ansätzen, um die Dauer bis zur Ablösung der Entspiegelungsschicht zu verlängern.

Da dieser Artikel hier zu lang wird, geht es in einigen Tagen mit dem Lösungsansatz „Orgatech“ der Firma Seiko weiter.

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Autor: Kay Dollt

Als Augenoptikermeister ist er seit 5 Jahren Mitglied im Optiker Schütz Team. Außer um die Webpräsenz und die Blogberichte kümmert er sich natürlich um sämtliche Belange unserer Kunden rund um die Kontaktlinse und Brille. Was er mag: www - und alles was damit zu tun hat Was er überhaupt nicht mag: Wenn wider Erwarten unsere "Jura" streikt...

Dieser Artikel hat 13 Kommentare

  1. kledano on 21. August 2018 at 09:53 Antworten

    Optiker beraten für mich grenzwertig. Sie tun so, als ob Kunststoffgläser das non-plus-ultra sind und erfinden alle möglichen argumente gegen mineralische gläser. ich unterstelle, dass sie das aus eigennutz tun, denn ein kunststoffglas ist nach 2 jahren hin. bei mir löst sich die beschick´htung bereits nach 18 monaten.

    daher habe ich an zeiss geschrieben. ergebnis (kurzfassung): 1) es gibt JEDES glas auch als mineralisches glas, 2) je nach brillengestell können gewichtsunterschiede vernachlässigt werden. 3) es gibt aus sicht von zeiss keinen grund, keine mineralischen gläser zu nehmen.
    meine frau hat die feuerprobe gemacht. bei einer sehhstärke von -7 beträgt dr gewichtsunterschied zwischen kunststoff- und mineralischem glas gerade einmal 5 gramm.

    • Sebastian Gaertner on 21. August 2018 at 18:42 Antworten

      Hallo,
      Frage Nummer 1 sollte sein, wieso sich die Entspiegelungsschicht bei Ihnen in dieser Regelmäßigkeit löst. Der Normalfall sollte das natürlich sein. Die Garantie auf die Beschichtung von 24 Monaten deckt dementsprechend Fertigungsfehler ab. Innerhalb dieses Zeitraums werden Gläser problemlos kostenlos ausgetauscht.
      Richtig ist, dass es bei Zeiss jedes Glas auch mineralisch gibt. Zum Thema Gewicht gibt es mehrere Faktoren die wichtig sind. Je kleiner die Gläser geschliffen werden können umso kleiner ist die Gewichtdifferenz. Je größer die Gläser werden umso größer wird die Gewichtsdifferenz. Das Glas wird größer, dadurch dicker und der prozentuale Gewichtsunterschied wirkt sich mehr aus.
      Was für uns ein wichtiges Thema ist, ist die Verkehrssicherheit. Bei Autounfällen, und Auslösen des Airbags besteht bei mineralischen Gläsern die Gefahr, dass das Glas splittert. In einigen Ländern sind daher auch minerlische Gläser im Straßenverkehr nicht zugelassen.
      Fertigungsbedingt ist es bei mineralischen Gläsern nicht möglich diese zu rillen oder zu bohren. Das Material ist zu spröde. Daher sind randlose Brillen, oder Nylorbrillen (Fadenbrillen) nicht mit mineralischen Gläsern zu fertigen.
      Generell gilt, das wir den Kunden beraten. Am Ende entscheiden immer Sie welche Gläser Sie nehmen.

  2. Bran Farce on 6. März 2018 at 17:06 Antworten

    Ich sehe das Thema ähnlich wie Steffen. Ich trage seit meiner Kindheit Brillen, mit denen ich immer wunderbar und sehr viele Jahre klar gekommen bin. Es waren irgendwann ein paar Kratzer in den Brillengläsern, aber das war zu verkraften. Die letzten beiden Brillen waren jedoch nach 3 Jahren unbrauchbar, da sich die Beschichtung ablöst, was mir selbst bei meinem logischweise gröberen Umgang als Kind mit den Brillen als Kind nie so passiert ist. Bei einer Brille, die aufgrund meiner hohen Sehschwäche ca. 500€ kostet, fände ich es vom Optiker mehr als fair, wenn man darauf hingewiesen würde, dass die Entspiegelung die Lebensdauer der Brillengläser drastisch einschränkt. Ich denke jedoch, dass es jedem Optiker nur entgegen kommt, wenn man alle drei Jahre neue Gläser kaufen muss, weshalb sollte man da etwas daran ändern? Es kann mir niemand erzählen, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, beständigere Gläser herzustellen, obwohl es vor 20 Jahren durchaus möglich war. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    • Sebastian Gaertner on 8. März 2018 at 12:50 Antworten

      Ich denke, dass mein Kollege Kay schon etwas dazu gesagt hat. Sicherlich liegt es zum einen Teil daran, dass Gläser heute deutlich mehr können als früher. Was das alles leider etwas anfälliger macht. Leider ist es auch rein physikalisch so, dass Entspiegelungen bei höhren Brechwerten (je höher der Brechwert des Glases, desto dünner wird das Glas bei hohen Stärken) schlechter halten. Trotzdem sollte es natürlich nicht in einer kurzen Regelmäßigkeit passieren.

  3. Schuck on 27. Dezember 2015 at 18:27 Antworten

    Hi ich habe ständig Probleme mit der entspiegelung, putze meine Brillen immer mit seife von sakrotan da ist etwas Alkohol drin doch in den fertig Tücher doch auch . Bitte um Hilfe da dieses enorm an den Geldbeutel geht.
    Danke euch

  4. Toni on 18. Dezember 2015 at 18:42 Antworten

    Hat eine Sonnenbrille auch mehrere Schichten? Ich habe vor 2 Jahren eine Prada Sonnenbrille gekauft und nun löst sich eine Schicht auf der Innenseite der Brille ab. So etwas habe ich noch bei keiner Sonnenbrille mitgemacht. Es scheint auch, dass die Gläser aus Plastik sind. Ich werde auf jeden Fall nie wieder eine Pradabrille kaufen.

  5. Peter on 5. Januar 2015 at 00:32 Antworten

    Ich kann Steffen absolut zustimmen.

  6. Kay Dollt on 8. Januar 2014 at 10:47 Antworten

    Hallo Steffen,

    die Beschichtungen heutzutage sind deutlich komplexer aufgebaut und erzielen wesentlich bessere Wirkungen. Das ist ähnlich wie z.B. in der Automobilindustrie, die Autos bieten viel mehr Komfort durch die technischen Neuerungen. Beim alten Käfer konnte aber natürlich nicht die hydraulisch unterstütze Schaltung versagen.
    Technischer Fortschritt macht die Dinge komplexer und natürlich auch die Möglichkeit größer, dass etwas schief laufen kann.
    Aber keine Frage, dass soll so natürlich nicht sein. Je nach Alter deiner Brille kannst du aber völlig problemlos zu deinem Optiker und dies Reklamieren, falls ein Beschichtungsproblem auftritt.

  7. Steffen on 1. Januar 2014 at 03:40 Antworten

    schon komisch das ich erst seit 10 Jahren damit Probleme habe und die 20 Jahre davor nicht,…….

  8. milan on 17. Dezember 2010 at 11:38 Antworten

    Hallo, super Artikel! hat mir sehr geholfen!
    Mich würde allerdings noch interessieren, welche Rolle die verschiedenen Brechungsindizes der einzelnen Materialien (Brillenglas, aufgedampfte Schicht…) spielen.
    Müssten diese nicht die Wellenlängen beeinflussen und damit auch die Dicke der aufgedampften Schichten?!

    • Kay Dollt on 17. Dezember 2010 at 13:20 Antworten

      Hi Milan,

      doch klar.. gerade die Entspiegelung funktioniert nur, wenn Brechungsindex und Dicke der Schicht exakt passen. Das Schwierige ist, dass es dann lediglich für eine Wellenlänge passt. Aus diesem Grund sind Entspiegelungen auch komplexe Pakete (Mehrfachentspiegelungen).
      So wird nicht nur eine Wellenlänge ausgelöscht, sondern viele.

      Die Thematik dahinter ist ganz schön kompliziert.

      Grüße Kay

  9. Alper on 15. Januar 2009 at 20:58 Antworten

    Sehr interessant. Wusste gar nicht, dass das so aufwändig ist. Danke für die Info 🙂

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